Herr Hager
Lehrer für Geschichte und Philosophie
 
 

Theodor Mommsen (1817-1903)


Im Rahmen der Serie "Berühmte Männer aus der Geschichte Berlins" gab die Landespostdirektion Berlin (Deutsche Bundespost Berlin) eine Briefmarke (Sonderpostwertzeichen) zu Ehren des Historikers und Literaturnobelpreisträgers Theodor Mommsen heraus. Die Briefmarke erschien am 24.10.1958, dem Tag der Briefmarke, an dem in Berlin auch die MOBRIA (Internationale Motiv-Briefmarken-Ausstellung) stattfand.

Auf der Vorderseite des Ersttagsblattes befindet sich ein kurzer Text - leider ohne Autorenangabe - zum Zweck der o. g. Briefmarkenserie und zu Mommsen selbst:

Es war die Aufgabe dieser und einer früheren Serie [1] von Briefmarken aus Berlin, millionenfach und in aller Welt auf die Männer hinzuweisen, die auf den verschiedensten Gebieten mitgeholfen haben, unsere Stadt zum Mittelpunkt deutschen Geistes- und Kulturlebens zu machen. Theodor Mommsen darf in diesem Kreise nicht fehlen. 45 Jahre seines Lebens hat der in Garding (Schleswig) am 30. November 1817 geborene Gelehrte, der im Jahre 1902 als erster Deutscher mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, in Berlin gelebt und gearbeitet; in Charlottenburg starb er am 1. November 1903; auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof am Halleschen Tor liegt er begraben.

Gibt es noch Berliner, die sich an den Greis im langen Silberhaar, glatt rasiert - die damalige Mode des langen Bartes nicht mitmachend -, mit den durchdringenden Augen, die streng, aber auch gütig blicken konnten, mit den schmalen Lippen, erinnern? Nach einem Gemälde von der Meisterhand Franz von Lenbachs ist das Markenbild gestaltet.

Die „Inkarnation der Gelehrsamkeit“ hat ihn einer seiner Schüler genannt. Es ist schwer, sein Werk in ein bestimmtes Gebiet der wissenschaftlichen Forschung einzuordnen. Mommsen war Philologe, Historiker und Jurist zugleich. Noch heute ist man sich nicht einig, auf welchem Gebiet er die größten Verdienste hat. Sein bedeutendstes Werk lautet bescheiden „Römische Geschichte“. So klar und einfach ist die Sprache dieses in neun europäische Sprachen übersetzten Buches, daß es jeder Generation bis zur heutigen immer Neues zu sagen hat. Es hat zum Gegenstand die Erforschung und Beschreibung eines Abschnitts der Weltgeschichte - wie Mommsen selbst sagt - „in dem ungeheuren Zweikampf des Westens und des Ostens, welcher von den Kämpfen bei Marathon auf die heutige Generation sich vererbt hat und vielleicht seine Zukunft ebenso nach Jahrtausenden zählen mag wie seine Vergangenheit“.

Bereits 8 Jahre zuvor war Mommsen in der DDR durch die Herausgabe einer Briefmarke mit seinem Bildnis geehrt worden. Anlass für die am 10.07.1950 erschienene Marke war das 250. Jubiläum der Gründung der (Preußischen) Akademie der Wissenschaften zu Berlin, die 1700 als Kurfürstlich Brandenburgische Societät der Wissenschaften gegründet und 1946 als Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin wiedereröffnet worden war. Mommsen war seit 1853 zunächst "Korrespondierendes Mitglied" und wurde 1858 "Ordentliches Mitglied" der Akademie.

Anlässlich seines 200. Geburtstags wurde Mommsen am 02.11.2017 mit einer weiteren Briefmarke der Deutschen Post AG geehrt.

Im Abitur 2027 taucht Mommsen im Geschichtsunterricht im Zusammenhang mit dem vom Heinrich von Treitschke ausgelösten "Berliner Antisemitismusstreit" (1879-1881) auf. Mommsen war einer von insgesamt 75 Unterzeichnern der "Notabeln-Erklärung" vom 12.11.1880. Die Unterzeichner sprachen sich in dieser Erklärung gegen "Racenhaß [...] und Fanatismus [...] gegen unsere jüdischen Mitbürger" aus. Mommsen veröffentlichte noch im selben Jahr einen gegen Treitschkes Antisemitismus gerichteten Aufsatz mit dem Titel "Auch ein Wort über unser Judentum" (10.12.1880), nachdem Treitschke versucht hatte, Mommsen selbst als Antisemit darzustellen. Aus dem Streit ging 1890 schließlich der "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" hervor, dem auch Mommsen angehörte.

Bildnachweise: Briefmarken 1950/1958 - de.wikipedia.org / Briefmarke 2017 - bundesfinanzministerium.de

[1] Die Serie erschien zwischen 1952 und 1958 und umfasste insgesamt 20 Persönlichkeiten, Anmerk. Hager.

Maik Hager (Dezember 2025)