Quelle 8: Rezension: Über die Ehe, 4. Auflage 1793, in: Allgemeine Literatur-Zeitung, Nr. 389, 13.12.1794, Sp. 558-560,
  siehe auch: http://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00011257 .

Berlin, in der Voss. Buchh.: Ueber die Ehe, Vierte viel vermehrte Auflage. 1793. 501 S. 8. Die dritte Auflage dieser vortrefflichen Schrift, die 1792 erschien, und gegen die frühere zweyte nicht allein ansehnlich vermehrt war, sondern in einigen Abschnitten eine gänzliche Umarbeitung und wesentliche Veränderung erhalten hatte, ist in der A. L. Z. 1793. Nr.158. ausführlich beurteilt worden. Der kurze Zwischenraum zwischen dieser und der hier angezeigten vierten Ausgabe beweist, wenn auch nicht allein, den Werth dieses geistreichen Buches, doch so viel, dass das Urtheil des Publicums im Ganzen eben so günstig für dasselbe ausgefallen seyn, als das unsrige am erwähnten Orte. Bey gleichem Druck und Format ist die neuste Auflage abermals 75. S. stärker, als ihre nächste Vorgängerin; doch besteht diese Vermehrung, so weit Rec. verglichen, nur in einzelnen Zusätzen, eingeschobenen Perioden, hinzugefügten Anekdoten u. s. w. Veränderungen hat er fast nirgend bemerkt. Durch viele dieser neu hinzugekommenen Stellen hat das Ganze überhaupt gewonnen: von allen ohne Ausnahme getrauen wir uns indes nicht dieses zu behaupten: ja an mehr als Einem Orte bedurfte es ohne Zweifel mehr einer Auslüftung des üppigen Triebes an Blättern und Blüthen, als einer weiteren neuen Anpflanzung. Die so leicht misszudeutende Aeusserung 3. Aufl. S. 320. ‚Ich sehe nicht ab, warum ein Mädchen, das noch wie eine Feldblume ist, und der ganzen Welt gehört, nicht auch gegen die ganze Welt milde seyn sollte;’ ist nun sehr geschickt verbessert. S. 373. ‚Ein Mädchen, das völlig frei ist, und einer Feldblume gleicht, blüht für jeden Wanderer, der Lust hat zu stehen und sie anzusehen u. s. w.’ – Hätte doch der Vf. eben so viel Luft und guten Willen gehabt, als er Geschicklichkeit besaß auch die übrigen in der A. L. Z. und anderen kritischen Blättern gerügten Stellen zu verbessern: Allein, so viel wir sehen, sind sie sämtlich, (die plattesten Einfälle nicht ausgenommen) unverändert geblieben. Bey dieser Herzenshärtigkeit des Vf. gegen alle Kritik wäre es folglich Thorheit, einzelne Flecken, in der Hoffnung, sie dereinst vertilgt zu sehen, zu rügen. Nicht darum also, sondern zu Beweis für unsre Leser, dass der Autor bey alle seinem Geist und seinen Kenntnissen, doch nicht die Feinheit des Geschmacks besitzt, die ihm fremde Winke ganz entbehrlich machen könnte, zeichnen wir hier aus den neuen Zusätzen, von vielen nur einige, mehr oder weniger missglückte Einfälle, Scherze, Bemerkungen etc. aus. S. 17. ‚Dem Castraten, einem Menschen, der nur einen halben Körper hat, fehlt es auch an Seele. Der Name Mensch steht ihm nur als Schmutztitel zu.’ – S. 59. heißt es von seichten und alles übertreibenden Lobrednern des schönen Geschlechts: ‚Ihre armseligen Gedanken fröhnen ihren Worten, und ihre Mittel sehen ihren Zweck über die Achsel an.’ – S. 91. ‚Hat man Branntwein, der an sich gut ist, so kann man ihn leicht durch einen Grapen noch einmal abziehn und verstärken: und so gibt es Doppelwitz und Doppelgelehrsamkeit.’ – S. 298. ‚Ein weibischer Mann ist unendlich unerträglicher, als ein männliches Weib: es geht ihm, wie der Fledermaus – er ist, wie man im Sprichwort sagt, nicht Fisch nicht Fleisch, nicht gekocht nicht gebraten’ – S. 332. ‚Das Gesicht der Frauenspersonen ist von Tomback; es glänzt allein es ist nicht dauerhaft.“ – S. 373. ‚Ich habe es sehr oft bemerkt, dass Mädchen, die durch Heucheln die Hauptschlacht gewonnen, auch während der Ehe unter dem Panier der Heucheley scharmutziren’ u. s. w.-

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Worterklärungen:

"Castrat" / Kastrat

"Tomback" / Tombak

"Panier" / Banner

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