| <<< Vorwort | |
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1. Major Leo Alexander, Medical Corps, Army of US Für die Aufklärung der von Medizinern der Kaiser-Wilhelm-Institute begangenen Verbrechen und die Verstrickung Prof. Dr. Hallervordens in die „Euthanasie“-Aktionen sind die Nachforschungen des damaligen US Majors Leo Alexander von besonderer Bedeutung. Zunächst möchte ich jedoch einige biographische Daten zu Alexander vorausschicken [4]. Leo (Leopold) Alexander wurde am 11. Oktober 1905 [5] in Wien geboren. Dort legte er 1923 sein Abitur ab und begann noch im selben Jahr das Medizinstudium an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. 1928 besuchte er das von Oskar Vogt gegründete und geleitete Institut für Hirnforschung in Berlin. Nach seiner Promotion 1929 praktizierte Alexander zunächst als Volontärsassistent und ab 1931 als Assistenzarzt der Städtischen Universitätsklinik für Gemüts- und Nervenkranke in Frankfurt am Main. Seine sehr guten Studien- und Forschungsleistungen brachten ihm ein Rockefeller-Stipendium ein. Durch dieses Stipendium erhielt Alexander, der seit Februar 1933 von seiner Stelle in Frankfurt beurlaubt war, eine Dozentur für Psychiatrie und Neurologie am Pekinger Union Medical College, China (PUMC). |
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| Nach der
Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor Alexander seine Anstellung
in Frankfurt und emigrierte, nachdem er von seiner Schwester und einem
Kollegen in Frankfurt, Dr. Karl Kleist, vor einer Rückkehr nach
Deutschland gewarnt wurde [6], Ende 1933 aufgrund seines jüdischen
Glaubens in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er zunächst als
Assistenzarzt am Worcester State Hospital (Massachusetts) arbeitete. In
den USA konnte Alexander im medizinischen Forschungsbetrieb sehr schnell
Fuß fassen. Ab 1934 bis 1941 lehrte er Neurologie an der Harvard Medical
School und war als Neuropathologe am Bostoner City Hospital tätig. An
Alexanders Karriereweg und seiner Tätigkeit für medizinische Fachgremien
und Fachzeitschriften lässt sich seine überaus hohe fachliche Kompetenz
erkennen, die auch Hallervorden später in seinen Briefen neidlos
anerkannte und bewunderte. 1938 erwarb Alexander schließlich die
amerikanische Staatsangehörigkeit und wurde 1941 zum Associate Professor
für Neuropsychiatrie an der Duke University Medical School Durham (North
Carolina) ernannt. In der Zeit zwischen Juli 1942 bis Januar 1946 war Alexander im aktiven Militärdienst und diente im medizinischen Korps der Armee der Vereinigten Staaten (Medical Corps, MC). Er versah seinen Dienst bis zum Kriegsende als Sektionschef für Neuropsychiatrie am 65th General Hospital, welches als Teil der 8. US-amerikanischen Luftflotte in England (East Anglia) stationiert war. |
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Ab Mai 1945 war Alexander, der inzwischen den Rang eines Majors inne hatte, im Auftrag des Hauptquartiers der alliierten Expeditionsstreitkräfte (Supreme Headquaters Allied Expeditionary Forces, SHAEF) in der G 2-Stelle (Intelligence) des 6. Armeekorps tätig und untersuchte für das Combined Intelligence Objectives Sub-Committee (CIOS, Unterausschuss für gemeinsame Nachrichtenziele) die Arbeit medizinischer Pflegeanstalten und Forschungseinrichtungen in den westalliierten Zonen. Ziel dieser Mission war zum einen die deutschen medizinischen Verbrechen umfassend zu untersuchen, aber auch die medizinischen Experimente an Anstaltsinsassen und KZ-Häftlingen in Bezug auf fachliche Qualität und potenziellen Nutzen für die Alliierten zu prüfen [7]. Alexander besuchte in der Zeit zwischen dem 23.05.1945 (Ankunft Alexanders in München) und dem 24.06.1947 viele hochrangige medizinische Forschungsstätten, aber auch Heil- und Pflegeanstalten im zerstörten Deutschland, unter anderem in München, Heidelberg, Frankfurt/Main und Hadamar (Nähe Limburg a. d. Lahn). Dort führte er zahlreiche persönliche Gespräche mit Neurologen, Psychiatern, Neuropathologen, ehem. SS-Offizieren, Anstaltsärzten, Pflegepersonal und Überlebenden aus Anstalten und Konzentrationslagern und sammelte auf diese Weise umfangreiches Material, das er in einem Dokumentenbuch zusammentrug. Ergebnis dieser Untersuchungen waren insgesamt sieben Berichte, die Informationen über den aktuellen Stand der deutschen Neuropsychiatrie und Neurochirurgie enthielten [8].
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[4] Die bisher ausführlichste und genaueste Biographie findet sich bei Shevell, Michael I., Neurology’s witness to history: The Combined Intelligence Operative [SIC!; richtig: Objectives] Sub-Committee Reports of Leo Alexander, S. 1096-1098; siehe außerdem: http://en.wikipedia.org/wiki/Leo_Alexander. [5] In seinem Artikel „Die Vertreibung deutscher Neuropathologen 1933-1939“ gibt Jürgen Peiffer in der Kurzbiographie Alexanders (S. 101) den 10.10.1905 als Geburtsdatum an. [6] Shevelll, Michael I., 1996, S. 1097. [7] In seinem Beitrag geht Ulf Schmidt (in: Ebbinghaus, Dörner (Hg.), 2002, S. 375) davon aus, dass Alexander nur seinen amerikanischen Vorgesetzten Bericht erstattet hat. Wie jedoch die Verwendung einer seiner Berichte (CIOS Item 24 bzw. Anklagedokument L-170) im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zeigt, hatten zumindest die Westalliierten Zugriffsmöglichkeiten auf die Berichte. [8] In den Beständen des Archivs zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft befinden sich unter der Signatur MPG-Archiv, Vc Abt. Rep. 4, Alexander, Leo zwei dieser Bericht: 1. Anklagedokument L-169, CIOS Item 24, Medical vom 19. August 1945, „Oeffentliche Massnahmen in Deutschland bei Geisteskranken. Sterilisierung und Hinrichtung nerven oder geisteskranker Patienten“ (beglaubigte Übersetzung ins Deutsche) und 2. Anklagedokument L-170, CIOS Item 24, Medical vom 20 Juli 1945, „Neuropathology and neurophysiology, including electroencephalography, in wartime Germany“ (Kopie der Hektographie und beglaubigte Übersetzung in Auszügen); siehe auch: Shevell, M. I., Neurology’s Witness of History: The Combined Inteligence Operative [SIC! richtig: Objectives] Sub-Comittee Reports of Leo Alexander, in: Neurology 47, 1996, S. 1096-1103; Anmerkungen in [ ] vom Autor. |
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