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Anhang

Dokument 1: Abschrift des Briefes von Prof. Dr. Julius Hallervorden an Dr. Spatz mit Datum vom 15. Juni 1945 (MPG-Archiv, II Abt. Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5, Blatt 3 a-b)

Dillenburg, den 15. Juni 1945

Mein lieber Herr Spatz,

Das war wohl die grösste Überraschung meines Lebens, als ich gestern Abend aus meinem Zimmer geholt wurde und mir Dr. Alexander sagte, dass er einen Brief von Ihnen und Grüsse mitbrächte. So weiss ich nun endlich, dass es Ihnen gut geht und dass Sie am Leben sind und überdies hinaus, scheint mir ja seine Mission von wesentlicher Bedeutung für die Fortdauer unseres Institutes zu sein. Er kann Ihnen ja alles erzählen und es ist unmöglich, Ihnen alle Erlebnisse auch nur anzudeuten. Das wesentlich ist jedenfalls, dass wir völlig unbehelligt geblieben sind und das man uns arbeiten lasst. Wir haben auch mancherlei Bombenschäden erlitten, aber es waren immer nur Fenster und so ist es denn gegangen. Bei einer sehr gründlichen Haussuchung am 4. April wurden Noetzel, Welte und Blohm gefangen abgeführt und wir haben seitdem nichts wieder von ihnen gehört, wir haben auch keine Ahnung, wo sie geblieben sind. Man hatte uns versprochen, dass sie uns sehr bald zurückgeschickt werden würden, aber das ist bis jetzt nicht geschehen. Wenige Tage nach ihrer Gefangennahme gebar Frau Welte eine Tochter, von der er nun nichts weiss. Das war ein harter Schlag für uns, besonders, nachdem man in den ersten Tagen den beiden gesagt hatte, sie könnten bleiben. Wir haben uns einschränken müssen, da wir gar keine Mädchen haben und unsere Damen müssen alles selber machen, kochen, Treppen fegen usf. Aber es geht gut, wir haben keine Veranlassung, uns zu beklagen. Fräulein Heims und Frl. Schmidt, die beide nicht so recht in unseren Kreis passten, wurden auf ihren Wunsch unmittelbar vor der amerikanischen Besetzung nach Hause entlassen. Wir haben von ihnen ebenso wenig gehört wie von der übrigen Menschheit. Vor 14 Tagen hat sich Frl. Marthen per Rad auf den Weg gemacht, um ihre Schwester, die in Thüringen lebt, zu besuchen, wir erwarten sie stündlich zurück.

Sehr schwer entbehren wir Herrn Blohm, da in unserem verfallenen Kasten alle Augenblicke etwas zu reparieren ist. Die Ernährungslage ist hier sehr angespannt, aber sie scheint immer noch besser zu sein als in der weiteren Nachbarschaft.

Die finanziellen Verhältnisse sind durch den laufenden Fond von RM 10.000 und den eisernen Fond von RM 20.000 soweit gesichert, dass wir gut ein Jahr aushalten können. Den techn. Assistentinnen zahle ich RM 50.- im Monat und sie haben freie Station (RM 50.- werden pro Kopf von den Banken hier ausgegeben.) Mit diesem Standard können wir es lange aushalten, bis wir wissen was aus uns wird.

Einen Überblick über unsere Verhältnisse werde ich in einem Brief der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft mitteilen, da Herr Alexander nach Göttingen weiterfährt. Es ist ungeheuer wertvoll, dass wir diese Möglichkeit der Kommunikation besitzen und ich habe ihm rückhaltlos unsere Verhältnisse dargelegt. Wir haben uns sehr lange unterhalten gestern und ich erwarte ihn in einer Stunde, um mit ihm weiterzuarbeiten. Es ist eine ganz besondere Freude, in ihm einen so sachverständigen Mann zu finden und so können wir uns wieder einmal über Präparate aussprechen.

Gestern meldete sich ein Student von Herrn Wagenseil, der mir Grüsse von ihm brachte und hier bei mir sich ein wenig weiterbilden will; er ist sonst im Krankenhaus in Herborn tätig.

Was uns beide am meisten angeht, ist ja die Zukunft des Instituts und die Frage, wo man nachher bleiben wird, denn es scheint ja nicht, als ob wir nach Buch zurückkehren werden, was ich mir im Grunde genommen auch nicht wünsche. Es wäre nur schön, wenn wir von unseren Sachen nicht nur von den privaten, sondern erst recht von dem Institut noch einige retten können. Hier in dieser Gegend zu bleiben wäre nicht schlecht, bei normalen Verbindungen und mit Hilfe eines Autos spielt es keine Rolle, ob wir mitten in einer Universitätsstadt sitzen oder nicht. Ich weiss, dass Sie glücklich sind in München zu sein und dass Sie fest entschlossen sind, nie wieder von München fortzugehen und so werden ja alle Bedenken schweigen müssen, wenn wir unsren Sitz in München aufschlagen, obwohl mir die Zusammendrängung mit der Forschungsanstalt dort im Grunde genommen nicht behagt. Ich nehme an, dass bei Wiederkehr halbwegs ruhiger Verhältnisse verschiedene von den Damen uns verlassen werden und schliesslich müssen wir uns ja auch verkleinern. Es ist nicht zu vergessen, dass die wirtschaftliche für uns hier in Dillenburg, was das private Leben betrifft, nicht ungünstig ist, aber wir werden dies grosse Haus hier nicht halten können. Nachdem die Militärbehörde für uns nicht mehr eintritt und wir selbst die Miete bezahlen müssen, finde ich diese Miete zu hoch, sie beträgt RM 1.000 im Monat, aber der endgültige Vertrag zwischen dem Militär und dem Wirt ist ja noch gar nicht beschlossen und es kann leicht sein, dass sich dieser Ertrag noch etwas erhöhen wird. Hier wäre eine juristische Klärung sehr erwünscht und ich werde diese auch der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft mitteilen. Für die Pläne, die Sie für die Zukunft haben, ist es von Wichtigkeit daran zu denken, dass wir hier nicht ohne weiteres fortkönnen, weil wir einen grossen Teil der Kisten zurückgeschickt haben und weil wir hier vorläufig keine Leute aufbringen könnten, den ganzen Riesentransport in Gang zu bringen. Es sind bei den Besetzungen der Nachbarhäuser verschiedene Familien bei uns eingezogen, die wir in die leer gewordenen Zimmer von Noetzel und Blohm untergebracht haben, ob wir Kohlen für den Winter kriegen, ist mehr als fraglich und ich denke an die Möglichkeit, uns etwas enger zusammen zu lagern, um bei dieser Gelegenheit auch Miete zu sparen. Wir leben mit diesen Leuten sehr gut und auch in der gemeinsamen Küche werden die Schwierigkeiten des Zusammenlebens einigermassen überbrückt.

Was unsere wissenschaftlichen Betätigung angeht, so ist davon nicht überraschend viel zu berichten. Ich sitze mit Frl. Jacobi an ihrer Doktorarbeit über Diffuse Sklerose und Pelizäus-Merzbachersche Krankheit. Sie war inzwischen einmal in Bielefeld bei einer ihrer Schwester und hat gleichzeitig mit Prof. Schorch abgemacht, dass ihr Aufenthalt hier bis zum 1. Sept. ausgedehnt werden kann. Ihre Schwester ist in den Anstalten als Krankenschwester tätig. Sie brachte mir auch relativ günstige Nachrichten von Elisabeth, welche dort in der Gegend in einer Pension lebt und sich dort fleissig betätigt.

Von den meinigen habe ich nichts gehört, aber auch das wird wider einmal kommen.

In einer Stunde kommt Herr Alexander wieder und so will ich jetzt meinen Brief abschliessen, vielleicht ist das ein oder andere noch hinzuzufügen.

Mit viel herzlichen Grüssen von uns allen, natürlich auch von meiner Frau,

immer Ihr

Dokument 2: Auszug aus dem Protokoll des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, 53. Verhandlungstag, 07.02.1946 [60]

M. MOUNIER: [...] Herr Vorsitzender, meine Herren! Bezüglich der Beteiligung des Angeklagten Göring an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit, besonders hinsichtlich der Konzentrationslager, möchte ich den Gerichtshof bitten, falls seine Zeit es gestattet, einige Absätze nachzulesen, in denen ich die Angelegenheit kurz zusammenfasse. Ich möchte hier die Zeit des Gerichtshofs nicht in Anspruch nehmen. Es gibt jedoch ein Dokument, das dem Gerichtshof noch nicht vorgelegt worden ist und das ich gern verlesen möchte. Es bezieht sich auf pseudo-medizinische Versuche, über die, soviel ich weiß, noch nichts gesagt wurde.
Man hat Ihnen viel über die Versuche von Dr. Rascher berichtet, die darin bestanden, daß man gewisse Personen abwechselnd der Kälte oder Hitze aussetzte; auf Seite 17 meiner Ausführungen behandle ich eine Frage, die in dem Dokument, das ich als RF-1427 einreiche, behandelt wird. Dieses Dokument trug ursprünglich die Nummer L-170. Es ist ein Bericht des amerikanischen Majors Leo Alexander über das Kaiser-Wilhelm-Institut.
Major Leo Alexander hatte nach der Eroberung Deutschlands durch die alliierten Streitkräfte sowohl die Experimente Dr. Raschers als auch die Arbeit des Kaiser-Wilhelm-Instituts untersucht. Dieser vorgelegte Bericht ist betitelt: »Neuropathologie und Neurophysiologie, einschließlich Elektro-Encephalographie, im kriegführenden Deutschland.«
Das Kaiser-Wilhelm-Institut betrieb Gehirnforschung - Seite 18 meiner Darstellung. - Dieses Institut war früher in Berlin-Buch und besaß drei Zweigstellen; eine in München, von der ich nicht sprechen werde, die dritte in Göttingen und die zweite, die mich am meisten interessiert, in Dillenburg, Hessen-Nassau. Das war die Spezialabteilung für Pathologie und stand unter der Leitung von Dr. Hallervorden. Dabei ist interessant, Herr Vorsitzender, daß....
VORSITZENDER: Könnten wir das Original sehen? [Dem Vorsitzenden wird ein Dokument überreicht.]
M. MOUNIER: Das ist es, Herr Vorsitzender.
VORSITZENDER: Trägt das Affidavit eine L-Nummer?
M. MOUNIER: Herr Vorsitzender, ich möchte hier bemerken, daß Nummer L-170 mit der auf dem »Dokumentenbuch Major Alexander« erwähnten Nummer identisch ist. Das Dokument betrifft die Experimente von Dr. Rascher. Es ist dieselbe Nummer.
VORSITZENDER: Da dieses Dokument bereits als Beweismittel innerhalb der Reihe »L«-L-170, glaube ich, vorgelegt worden ist, wird der Gerichtshof es im Augenblick als vorgelegt betrachten und seine Zulässigkeit später noch einmal untersuchen.
M. MOUNIER: Ich möchte jedenfalls den Vorsitzenden daran erinnern, daß ich den Teil hier zitiere, der in dem den Verteidigern mitgeteilten Schriftsatz enthalten ist und den ich für wichtig halte. Dieser Auszug wird völlig zitiert.
VORSITZENDER: Auf welche Teile wollen Sie sich beziehen?
M. MOUNIER: Auf Seite 20 bis 21.
VORSITZENDER: Wollen Sie es lesen?
M. MOUNIER: Das überlasse ich der Entscheidung des Gerichtshofs. Wenn der Gerichtshof die Verlesung als überflüssig ansieht, werde ich mich begnügen, darauf hinzuweisen, daß in diesem Dokument vor allem die Art und Weise interessant ist, auf die Herr Dr. Hallervorden die Lieferung von Gehirnen, die er zu untersuchen beabsichtigte, anordnete. Er sagte:

»Ich hörte, daß die Männer im Begriffe waren, dies auszuführen, nämlich, in verschiedenen Instituten Menschen mit Kohlenmonoxyd zu töten.« Dies erklärte Dr. Hallervorden dem amerikanischen Untersuchungsrichter, Major Alexander. »Ich ging zu ihnen und sagte: Hört mal zu, meine Freunde, wenn ihr schon all diese Leute umbringt, hebt zumindest die Gehirne auf, damit man sie verwerten kann. Sie fragten mich darauf: 'Wieviele können Sie untersuchen?' - 'Eine unbegrenzte Zahl, je mehr desto besser,' antwortete ich. Ich gab ihnen Klammern, Gefäße, Büchsen und die benötigten Anweisungen zur Fixierung der Gehirne usw.«
Ich möchte den Gerichtshof auf die wirklich unerhörte Grausamkeit diesen Leuten gegenüber aufmerksam machen, die lediglich deswegen getötet werden sollten, damit man ihre Gehirne untersuchen konnte. Hallervorden sagte aus:
»Sie wurden in den verschiedenen Gebäuden ausgesucht, und zwar auf ganz einfache und schnelle Art und Weise. In der Mehrzahl dieser Institute reichte die Anzahl der Ärzte nicht aus. Infolgedessen überließen sie die Auswahl der Patienten, die getötet werden sollten - weil sie entweder zu viel zu tun hatten, oder weil sie einfach uninteressiert waren -, den Wärtern und Wärterinnen. Wer immer müde erschien, oder vom Standpunkt der Wärter ein 'Fall' war, kam auf die Liste und wurde in die Todeszentrale gebracht. Das ärgste an der Sache waren die vom Personal verübten Mißhandlungen. Es wählte diejenigen aus, die es nicht leiden konnte und setzte sie auf die Liste.«

Dokument 3: Abschrift der Hektographie des Anklagedokuments Nr. L-170, S. 16-17 und 24-27 (sog. „Alexander-Report“, urspr. Alexander, Leo, Neuropathology and Neurophysioligy, including Electroencephalography, in wartime Germany, CIOS Item 24, Medical, 20. Juli 1945 ) [61]

[Mitte S. 16] [62]

2. The Special Patologic Section headed by Dr. J. Hallervorden, of the Kaiser Wilhelm Institute für Hirnforschung.

Dr. Hallervorden’s laboratory was visited on 14 and 15 June 1945. The laboratory was found remarkably well equipped an in full activity despite its improvised quarters. The success of the improvisation was apparently due to the fact that it was evacuated early in May 1944 because of the air bombardment of Berlin. The vast bulk of the extensive collections of histopathologic preparations, including the late Dr. Biolschowsky’s collection had been brought here without mishap and are easily accessible in well ordered collection cases. The entire set-up was reminiscent of the original Kaiser-Wilhelm Institute in the Magdeburgerstrasse, Berlin, before it was removed to the sumptuous quarters in Buch. The collection consists of more then 110,000 specimens derived from 2,800 cases, in addition to several thousand specimens from the State Hospital in Goerden, Dr. Hallervorden’s previous location where he was succeeded by his pupil, Dr. Eicke, in addition to uncounted military cases, consisting mainly of gunshot wounds, cases of typhus, poliomelites etc. which had been collected since 1939. As stated above Dr. Hallervorden’s laboratory was integrated into the army as the “Sonderstelle zur Erforschung der Kriegsschaeden des Zentralnervensystems”, and from 1939-1943, Dr. Hallervorden held a position as civilian consultant of the army (Sonderführer) with an assimilated rank of 1st Lieutenant, under the military command of Oberfeldarzt Patzig who headed the army organization at the Kaiser-Wilhelm Institut. While Dr. Hallervorden has an ample technical an secretarial staff at his disposal in Dillenberg, only one of his professional associates has remained, namely Dr. Charlotte Kruecke (Dr. Wilhelm Kruecke’s wife). His two other associates, Dr. Hugo Noetzel, Stabsarzt der Luftwaffe, and Dr. Edurad Welte, Oberarzt der Luftwaffe, were arrested as prisoners of war on 4 April 1945. Dr. Hallervorden war very cooperative in discussing all his findings, demonstrating his superb histopathological preparations under the microscope, and turningover a complete bibliography of all papers published from his section by himself and his collaborators. Copies of special reports which he made to the army medical authorities covering the years 1940-1941, and 1941-1942, and carbon copies of 5 unpublished papers were placed at my disposal.

Dr. Hallervorden an his co-workers have carried out a great deal of research during the war and he has kept up his high standards as a thorough accurate and ingenious observatory. […]

[Mitte Seite 24]

Dr. Hallervorden had obtained 500 brains from the killing centers for the insane. These patients had been killed in various institutions with carbon monoxide. Dr. Hallervorden himself initiated this collaboration. As he put it: “I heard that they were going to do that, and so I went up to them and told them ‘Look here now, boys, if you are going to kill all these people, at least take the brains out so that the material could be utilized.’ They asked me: ‘How many can you examine?’ and so I told them an unlimited number – the more the better. I gave them the fixatives, jars and boxes, and instructions for removing and fixing the brains, and then they came bringing them in like the delivery van from the furniture company. The “Gemeinnuetzige Krankentransport Gesellschaft” (the “Public Ambulance Society”) brought the brains in batches of 150-250 at a time.” The man who organized this service was Dr. Hegener, a pediatrician from Berlin, whom Dr. Hallervorden remembers as a “crazy and arrogant fellow, who talked all the time about himself”. “There was wonderful material among these brains, beautiful mental defectives, mal-formations an early infantile disease. I accepted these brains of course. Where they came from and how they came to me was really none of my business”.

[Seite 25]

Dr. Hallervorden went on to say “this thing was a beautiful mess”. In addition to all the material he wanted, all kinds of other cases were mixed in, such as patients suffering from various types of Parkinsonism, simple depression, involutional depression, brain Tumors, and all kinds of other illnesses, including psychopaths who had been difficult to handle. “These were selected from the various wards of the institutions according to an excessively simple an d quick method. Most institutions did not have enough physicians, and what physicians there were were either too busy of [or, Fehler im Dokument] did not care, and they delegated the selection to the nurses and attendants. Whoever looked sick or was otherwise a problem patient from the nurse ‘or attendants’ point of view, was put on a list and was transported to the killing center. The worst thing about this business was that it produced a certain brutalization of the nursing personnel. They got to simply picking out those whom they did not like, and the doctors has so many patient that they did not even, know them, and put their names on the list.” Of the patients thus killed, only the brains were sent to Dr. Hallervorden; they were killed in such large numbers that autopsies of the bodies were not feasible- That in Dr. Hallervorden’s opinion, greatly reduces the scientific value of the material. The brains, however, were always well fixed and suspended in formalin, exactly according to his instructions. In looking back upon that time, Dr. Hallervorden stated that he always felt alightly nauseated when another bath arrived. He was also offered brains of schizophrenics and epileptics, but these he refused – not from moral indignation – but because he felt nothing of significance would be found in them. He thinks that the cause of psychiatry was permanently injured by these activities, and that psychiatrists have lost the respect of the German people for ever. […]

Dokument 4: Abschrift der beglaubigten Übersetzung der Seiten 24 und 25 (teilweise) des Anklagedokuments Nr. L-170 mit Datum vom 10. Dezember 1946 (MPG-Archiv, Vc Abt., Rep. 4, Alexander, Leo) [63]

(Teil Seite 20 des Originals)

Dr. HALLERVORDEN hatte sich 500 Gehirne von den Toetungsstellen fuer Geisteskranke beschafft. Diese Patienten waren in verschiedenen Anstalten durch Kohlenmonoxyl getoetet worden. Dr. HALLERVORDEN hatte diese Zusammenarbeit selbst veranlasst. Wie er es darstellte: „Ich hoerte, dass sie das tun wuerden und so ging ich hin und sagte ihnen, ’schaut Her, Jungens, wenn ihr die Leute doch toetet, nehmt wenigstens die Gehirne heraus, damit das Material verwendet werden kann’. Sie fragten mich: ’Wieviele koennen Sie untersuchen?’ und so sagte ich ihnen, eine unbegrenzte Anzahl, je mehr desto besser. Ich gab ihnen die Fixierungsmittel, Glasbehälter und Kasten, und unterrichtete sie im Entfernen und Fixieren der Gehirne und dann kamen sie nur so und brachten sie herein wie der Lieferwagen vom Moebelgeschaeft. Die „Gemeinnuetzige Krankentransport Gesellschaft“ brachte die Gehirne in Mengen von 150-250 auf einmal. Der Mann, der die Sache organisierte, war Dr. HAGENER [sic! Hegener], ein Pediater von Berlin [Fehler im Dokument], an den sich Dr. HALLERVORDEN als einen „Verrueckten und arroganten Kerl, der immer von sich selbst sprach“ erinnert. „Es war wunderbares Material unter diesen Gehirnen, Schwachsinnige, Missbildungen und fruehe Kinderkrankheiten. Selbstverstaendlich nahm ich diese Gehirne an. Wo sie herkamen und wie sie zu mir kamen war wirklich nicht meine Angelegenheit.“ Dr. HALLERVORDEN sagte weiterhin: „ Das war eine schoene Schweinerei“. Ausser all dem Material, das er wollte, waren noch allerhand andere Faelle mit hereingemischt, so wie Patienten, die an verschiedenen Arten von Parkinsonismus, Einfacher Depression, Periodischer Depression, Hirn Tumoren [Fehler im Dokument] und allen anderen Arten von Krankheiten litten,

(Seite 21 des Originals)

einschliesslich von Psychopathen, die schwierig zu behandeln gewesen waren. „Diese wurden von den verschiedenen Stationen der Anstalten nach einer aeusserst einfachen und schnellen Methode ausgewaehlt. Die meisten Anstalten hatten nicht genug Aerzte, un die Aerzte, die dort waren, waren entweder zu beschaeftigt oder kuemmerten sich nicht darum und ueberliessen die Auswahl den Pflegern und Waertern. Wer auch immer krank aussah, oder vom Pfleger- und Waerterstandpunkt aus gesehen, ein schwieriger Patient war, wurde auf die Liste gesetzt und nach der Toetungsanstalt transportiert. Das Schlimmste an dieser Sache war, dass sie eine gewisse Verrohung des Pflegepersonals verursachte. Sie gewoehnten sich ganz einfach daran, jene auszuwaehlen, die sie nicht mochten; die Aerzte hatten so viele Patienten, dass sie sie nicht einmal kannten, und deren Namen auf die Liste zu setzten.“ Von den so getoeteten Patienten wurden nur die Gehirne an Dr. HALLERVOREDEN gesandt; sie wurden in so grosser Anzahl getoetet, dass Leichenoeffnungen der Koerper nicht durchfuehrbar waren. Dies verringerte nach Dr. HALLERVORDEN’s Ansicht die wissenschaftliche Auswertung des Materials wesentlich. Die Gehirne jedoch wurden gemaess seinen Weisungen stets gut befaestigt und in Formalin gehaengt. Auf jene Zeit zurückblickend, stellte Dr. HALLERVORDEN fest, dass er sich immer leicht angeekelt

[an dieser Stelle bricht die Übersetzung ab]

Dokument 5: Abschrift Brief Prof. Dr. Julius Hallervordens an den Präsidenten des Inter¬nationalen Gerichtshofes in Nürnberg vom 11. Februar 1946 (MPG-Archiv, II Abt., Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5, Blatt 11) [64]

[handschriftlicher Vermerk, Bleistift, unleserlich, duchgestrichen]
Anlage 1) [handschriftlicher Vermerk]

z. Z. (16) Dillenburg, Schlossberg 3
11. Februar 1946

An den Herrn Präsidenten des internationalen Gerichtshofes in Nürnberg

Es wurde mir mitgeteilt, dass nach der Nürnberger Zeitung vom 9.2. in einem Verhandlungsbericht vom 7.2. der französische Anklagevertreter ein Dokument in Gestalt eines Berichtes des amerikanischen Major Alexander vorgelegt hat, in welchem das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung mit Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht wird. Ich selbst soll demnach das Konzentrationslager in Mauthausen besucht und dort gesagt haben, man solle uns Gehirne von Kindern schicken – so viel als möglich.
Dies ist vollkommen unwahr. Ich war niemals in einem Konzentrationslager, also auch nicht in Mauthausen; ich habe überhaupt den Namen dieses Ortes erst dadurch erfahren und wusste bisher nicht, wo er liegt. Wenn überhaupt Beziehungen des Instituts zu Mauthausen bestanden haben, dann die, dass ein Sohn eines Institutsdirektors (Timofeeff) dort inhaftiert war und von dort auch nicht zurückgekehrt ist, wie ich ebenfalls erst jetzt erfahren habe.
Ich selbst war neben meiner Tätigkeit als Leiter der histopathologischen Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts Prosektor (d. h. Pathologischer Anatom) der Landesirrenanstalt Görden bei Brandenburg. In dieser Eigenschaft hatte ich jedes Gehirn der dort Verstorbenen zu untersuchen. Den grössten Teil liess ich in der Landesanstalt untersuchen, nur die zur Klärung der Diagnose und der Krankheitsentstehung wichtigen liess ich an meine Ab¬teilung im Hirnforschungsinstitut kommen, um sie dort genauer zu studieren. Ausserdem wurden mir Gehirne von verschiedenen Irrenanstalten zugeschickt, so aus Bernburg (Anhalt) und Sonnenstein bei Pirna. Unter diesen Gehirnen verstorbener Geisteskranker und Idioten befanden sich auch solche von Kranken, die der Euthanasie zum Opfer gefallen waren. Von diesen Kranken habe ich auf meinen Wunsch auch die Krankengeschichten erhalten, wovon ich mir kurze Auszüge gemacht habe. Es handelt sich im Wesentlichen um Gehirne mit Hydrocephalus, Missbildungen, Tumoren, Geburtstraumen, Epilepsie u. dergl.
Mit dem Verfahren der Euthanasie habe ich niemals das Geringste zu tun gehabt, ich habe es stets verurteilt, und würde, wenn ich damals noch Irrenarzt gewesen wäre, mein Amt niedergelegt haben.
Diese Untersuchungen führte ich durch als Kontrolle der klinischen Diagnose. Sie hatten u. a. den Wert, in Fällen angeblicher Erbkrankheiten zur Berichtigung der Diagnose beizutragen, wie z. B. die Auffindung von Hirngeschwülsten bei sogenannter genuiner Epilepsie; die Diagnose einer genuinen Epilepsie musste in der damaligen Zeit als eine Verfehmung der ganzen Familie angesehen werden. Ein Teil dieser Gehirnuntersuchungen hatte auch wichtige Ergebnisse hinsichtlich unserer Kenntnisse mancher Gehirnkrankheiten.
Als mich im Juni 45 Major Alexander hier besuchte, um sich über die wissenschaftliche Tätigkeit meiner Abteilung während der Kriegszeit zu informieren, habe ich ihm ausführlich über die Arbeiten berichtet und bei dieser Gelegenheit auf seine Frage rückhaltlos mitgeteilt, dass ich auch Gehirne von Kranken untersucht habe, die durch Euthanasie gestorben sind. Dabei habe ich ausdrücklich betont, dass ich die Euthanasiebestrebungen verurteile und nicht das Geringste damit zu tun gehabt habe. Von Konzentrationslagern und den dort vorgekommenen Verbrechen war nicht die Rede und konnte ja auch nicht die Rede sein.

Abschliessend stelle ich fest:

1) Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung hat niemals Gehirne aus Konzentrationslagern bekommen, bezw. solche angefordert.

2) Das Hirnforschungsinstitut, insbesondere die Abteilung, welche dem luftfahrtmedizinischen Forschungsinstitut militärisch unterstanden, haben auch niemals Gehirne von Menschen bekommen, die auf unnatürliche Weise umgekommen sind, d. h. weder Gehirne aus Konzentrationslagern, noch aus Strafvollzugsanstalten, noch aus Irrenanstalten, wo Euthanasie betrieben wurde.

3) Dagegen habe ich in meiner Eigenschaft als Prosektor der Landesirrenanstalt Görden Gehirne von Kranken untersucht, die der Euthanasie zum Opfer gefallen sind. Wie erwähnt handelt es sich um Hydrocephalus, Missbildungen, Tumoren, Geburtstraumen und Epilepsie etc. Diese Untersuchungen galten der Kontrolle der klinischen Diagnose und der Feststellung der Krankheitsursache. Mit dem Verfahren der Euthanasie habe ich nichts zu tun gehabt und verurteile es nach wie vor.

4) Ich habe weder Gehirne aus Konzentrationslagern erhalten noch angefordert. Niemals war ich in einem Konzentrationslager, niemals habe ich irgend welche Aeusserungen getan, wie sie mir nach dem Verhandlungsbericht in der Nürnberger Zeitung in den Mund gelegt werden.

Sehr geehrter Herr Präsident, im Interesse der Wahrheit bitte ich sie, die falschen Angaben richtig stellen lassen zu wollen und mich, wenn Sie es für erforderlich halten, meine Aussage beschwören zu lassen. Ich versichere schon hier an Eides statt, dass die hier niedergelegten Aussagen der Wahrheit entsprechen.

Dokument 6: Abschrift Brief Prof. Dr. Julius Hallervordens an die Redaktion der Nürnberger Zeitung, Nürnberg, vom 18. Februar 1946 (MPG-Archiv, II Abt., Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5, Blatt 8)

(16) Dillenburg, Schlossberg 3
18. Febr. 1946
An die
Redaktion der Nürnberger Zeitung
Nürnberg

Beifolgende Erklärung bitte ich in Ihre Zeitung aufzunehmen und mir von der vollzogenen Tatsache Mitteilung machen zu lassen:
(Das Porto hierfür füge ich bei.)

„In der Ausgabe der Nürnberger Zeitung vom 9.2. wird nach dem Verhandlungsprotokoll des Internationalen Gerichts vom 7.2. das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch mit Kriegsverbrechen in Verbindung gebrach; Ich selbst soll danach in Mauthausen um Zusendung von möglichst viel Gehirnen gebeten haben.

Diese Vorwürfe sind unwahr. 1. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung hat niemals irgendwelche Experimente an Menschen ausgeführt und niemals Beziehungen zu Konzentrationslagern unterhalten. 2. Ich selbst habe ebenso wenig mit Konzentrationslagern irgend etwas zu tun gehabt, noch weniger habe ich Gehirne angefordert. – Der Name des Ortes Mauthausen war mit bisher unbekannt.

Von diesen Tatsachen habe ich den Internationalen Gerichtshof in Kenntnis gesetzt.“

Dokument 7: Abschrift Brief Prof. Dr. Julius Hallervordens an die Redaktion der Zeitung Kölnischer Kurier, Köln, vom 18. Februar 1946 (MPG-Archiv, II Abt., Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5, Blatt 9)

(16) Dillenburg, den 18.2.46
Schlossberg 3
An die
Redaktion des „Kölner Kurier“
Köln

Beifolgende Erklärung bitte ich in Ihre Zeitung aufzunehmen und mir von der vollzogenen Tatsache Mitteilung machen zu lassen:
(Das Porto hierfür füge ich bei.)

„Im Kölner Kurier vom 12.2. sollen nach dem Verhandlungsbericht des Internationalen Gerichtshofes vom 7.2. im Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung Experimente an Menschen ausgeführt und zahllose gesunde Männer ermordet worden sein. – Dies ist in jeder Beziehung unwahr. Im Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch und ebenso in seiner Ausweichstelle in Dillenburg sind niemals irgend welche Experimente an Menschen ausgeführt oder veranlasst worden, noch habe ich den Tod eines Menschen verschuldet.

Von diesen Tatsachen habe ich den Internationalen Gerichtshof in Kenntnis gesetzt.“

Dokument 8: Abschrift Brief Redaktion des Kölnischen Kurier an Prof. Dr. Julius Hallervordens vom 28. Februar 1946 (MPG-Archiv, II. Abt., Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5, nicht nummeriert ) [65]

Köln, 28.2.46
Herrn
Prof. Dr. Hallervorden
Kaiser-Wilhelm-Institut
für Hirnforschung
Berlin-Buch
Z.Zt Dillenburg,
Schlossberg 3

Ihren Brief haben wir erhalten, konnten jedoch wegen Einstellung des Erscheinens des K.K. Ihrem Wunsche nach Veröffentlichung der Erklärung nicht mehr entsprechen
Hochachtungsvoll!
[Unterschrift i. A. unleserlich]
Redaktion

Dokument 9: Abschrift Brief Redaktion der Nürnberger Nachrichten an Prof. Dr. Julius Hallervordens vom 11. März 1946 (MPG-Archiv, II. Abt., Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5, Blatt 20)

Herrn
Professor Dr. Hallervorden
Berlin – Buch
Dillenburg, Schlossberg 3
11.März 1946
erhalten 19/3. [handschriftlicher Vermerk, Bleistift]

Sehr geehrter Herr Professor!
Zu Ihrer Zuschrift vom 18.2.1946 müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass es sich bei dem Bericht in den „Nürnberger Nachrichten“ vom 9.2.46 nicht um eine Reportage unseres Blattes handelt, sondern um einen Bericht der DANA (Deutsche Allgemeine Nachrichten-Agentur) Wir empfehlen Ihnen daher, Ihre Richtigstellung an diese Agentur direkt zu richten (Bad Nauheim) von wo sie dann über Hellschreiber an alle Zeitungen weitergefunkt wird.
Mit besten Empfehlungen
hochachtungsvoll!
„Nürnberger Nachrichten“
Redaktion
Unterschrift [unleserlich]

Dokument 10: Abschrift Brief Prof. Dr. Julius Hallervordens an Major Prof. Dr. Leo Alexander vom 27. August 1946 (MPG-Archiv, II Abt., Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5, Blatt 4 a-c ) [66]

Abschrift
Prof. Dr. Hallervorden
Dillenburg, Schlossberg 3
Gross-Hessen, Am. Zone, Deutschland z.Zt. Dillenburg
27. Aug. 1946.

Herrn
Major Prof. Dr. Leo Alexander,
Durham / Northkaronina [Fehler im Dokument enthalten]
Duke University (Med. School)
U.S.A

Sehr verehrter Herr Kollege,

Es ist jetzt über ein Jahr verflossen, seit Sie uns hier aufsuchten und ich denke gern an unsere anregende Unterhaltung zurück. Ich schreibe Ihnen jetzt, um Sie um Ihren Rat und evtl. um Ihre Hilfe zu bitten.

Ihr Bericht über das Institut hat leider Veranlassung zu Missverständnissen gegeben, die ich Ihnen kurz schildern will, um Ihre Meinung darüber zu hören. In dem Wiesbadener Kurier vom 13.3.46 findet sich ein Bericht des Prozesses von dem Internationalen Gerichtshof in Nürnberg ein Auszug aus der Rede des franz. Anklagevertreters gegen Göring vom 7.2., in welchem es heisst
„Mournier gab weiter Auszüge aus einem Bericht des englischen (Sic! Majors Alexander bekannt, der Nachforschungen über di [Fehler im Dokument enthalten] sogenannten „wissenschaftlichen Experimente“ der Nazis anstellte und sich besonders mit den Arbeiten des „Kaiser-Wilhelm-Institutes“ befasste. Dieses Institut hatte Laboratorien In [Fehler im Dokument enthalten] München, Göttingen und Dillenburg und arbeitete besonders auf dem Gebiete der Neuropathologie und Psychologie.

Das Institut in Dillenburg stand unter Leitung von Dr. Hallerfurten (Sic!). Dieser „Arzt“ sagte anlässlich eines Besuches im KZ Mauthausen: „Seht mal zu Kinder: Wenn Ihr doch soviel Leute tötet, dass Ihr die Gehirne herausnehmen könnt“ Um auf die Frage wie viele Gehirne er benötigte, antwortete er: “Soviel wie möglich!“

Göring have [Fehler im Dokument] von diesen Gehirnversuchen wissen müssen, da er in diesen Versuchen die Druckverhältnisse, denen die Flieger ausgesetzt waren, studiert wurden.“

Eine andere Lesart findet sich in dem Kölner Kurier von 12.2.: [Fehler im Dokument] und wird jetzt in einer Zeitungsbroschüre über den Nürnberger Prozess verbreitet:

„Experimente, erklärte der Ankläger, seien im Kaiser Wilhelm-Institut in Dillenburg in Hessen-Nassau ausgeführt worden. Dort seien auf Veranlassung des führenden Forschers Dr. I. Hallervorden (Sic!) zahllose gesunde Männer brutal ermordet worden, nur um ihre Gehirne in Dr. Hallervordens Hände zu geben.“

Von vornherein war ich mit klar darüber, dass Sie das in Ihrem Bericht gar nicht gesagt haben konnten, und habe nachträglich von Herrn Dr. Löwenbach, der Ihren Bericht kannte, bei seinem Besuche hier gehört, wie wohlwollend und anerkennend Sie sich darin geäussert haben. Es konnte also nur eine Kette von Missverständnissen vorliegen, die ihren Aussagen von der Erwähnung der Untersuchungen von Gehirnen der Euthanasie-Verstorbenen genommen haben musste. Diese sind anscheinend mit den berüchtigten Experimenten der Luftwaffe an KZ-Insassen usw. verwechselt worden. Ich schrieb sofort an den Präsidenten des Nürnberger Gerichtes, setzte die Verhältnisse auseinander und bat um meine Vernehmung. Gleichzeitig unterrichtete ich persönlich und schriftlich die Militärregierung hier und die Medizinalabteilung im Ministerium des Inneren in Groß-Hessen. Die verschiedenen einzelnen Etappen dieser Vorgänge übergehe ich – genug, ich erhielt im Mai einen Brief von dem Nürnberger Gericht, in welchem mir mitgeteilt wurde, dass diese Anschuldigungen in dieser Form nicht zuträfen und dass auf eine Vernehmung verzichtet wird. Das Gericht könne sich mit diesen Dingen, die im Prozess nur eine Nebenrolle spielten, nicht abgeben. Mit dieser Erklärung begnügte ich mich einstweilen, denn ich sah keine Möglichkeit, irgend wie den Ruf des Institutes in der Öffentlichkeit wieder herzustellen, da die Zeitungen es ablehnten, Erklärungen von mir aufzunehmen.

Aber immer wieder werden diese Dinge abgedruckt. Jetzt wird eine Zeitungsbroschüre über den Nürnberger Prozess verbreitet, in dem wieder diese Beschuldigungen wiederholt werden. In der Berliner Täglichen Rundschau steht zu lesen, dass das Institut in Buch seinen internationalen Ruf durch verbrecherische Experimente“ eingebüsst habe. Für die, die uns kennen, mag das gleichgültig sein, aber es ist kein Zweifel, da bei uns von jeher alles Gedruckte fest geglaubt wird, dass diese Angriffe, wenn sie unwidersprochen bleiben, uns letzten Endes doch schädigen. Werden doch Aussagen in Nürnberger [Streichung im Dokument] in der ganzen Welt verbreitet und tragen als gerichtlich festgelegte Dokumente den Stempel anerkannter Wahrheit an sich.
Das ist gerade jetzt, wo die Existenz unseres Institutes aufs schwerste gefährdet ist und wir versuchen, es in kleinem Rahmen irgendwo fortzuführen, besonders drückend und erschwerend. Es zeigen sich hier und da Möglichkeiten wieder anzuknüpfen, aber unsere Mittel stehen vor dem Ende und wenn wir nicht bald eine Anlehnung finden, geht unsre Lebensarbeit verloren. Nach dem vorigen Kriege hat mir die Rockfeller-Stiftung über eine schwere Zeit hinweggeholfen, nach diesem dürften wir natürlich auch nicht an so etwas denken.

Aber ich will Sie mit diesen Dingen nicht behelligen, sondern Sie nur bitten, wenn es in Ihrer Macht steht, diese unsinnigen Beschuldigungen irgendwie zu widerlegen und mir zu raten, was ich tun kann.

Als Sie damals bei uns waren, hatten Sie die Freundlichkeit mir zuzusichern, dass Sie sich in London nach dem Schicksal von Prof. Bielschowsky erkundigen wollten und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn ich über die Ergebnisse etwas erfahren könnte.
Mit den besten Empfehlungen

Ihr ergebener

Literaturverzeichnis

 


[60] zitiert nach: Der Nürnberger Prozess. Das Protokoll des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof 14.11.1945 – 01.10.1946, Bd. 7, 53 Tag - 07.02.1946, Berlin 1999, S. 110-114 (Digitale Bibliothek, Bd. 20); Hervorhebungen durch den Autor.

[61] Nds. Staats- und Universitätsbibliothek, Abt. f. Handschriften und seltene Drucke; auch: MPG-Archiv, II Abt., Rep. 1A, Personalakte Hallervorden, Hefter 5 (Auszüge) und Vc Abt., Rep. 4, Alexander, Leo.

[62] Anmerkungen in [ ] vom Autor.

[63] Offensichtlich wies das der Übersetzung zugrunde liegende Dokument eine andere Seitennummerierung auf, als die hier vorliegende Hektographie des englischsprachigen Berichtes. Dies stützt die Annahme der Existenz verschiedener Abschriften des Dokuments L-170, ob sich diese jedoch auch inhaltlich unterscheiden, muss von der Forschung noch geklärt werden. Anmerkungen in [ ] vom Autor.

[64] Anmerkungen in [ ] stammen vom Autor.

[65] Anmerkungen in [ ] stammen vom Autor.

[66] Anmerkungen in [ ] stammen vom Autor.

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