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Waren die Frauen in der
DDR Kompetenzorientierter
Entwurf einer Unterrichtstunde im Fach von Maik Hager Doppeljahrgangsstufe 9/10: Vom Kaiserreich bis zur Gegenwart Themenfeld 3: Konfrontation der Blöcke und die Deutsche Frage Unterrichtsreihe: Leben im geteilten Deutschland Relevanz
des Themas: In der sozialistischen Gesellschaft der DDR bekamen
die Frauen historisch neue Chancen und Rechte eingeräumt, mussten jedoch
gleichzeitig bestimmte Pflichten erfüllen. Die Aufwertung ihrer
rechtlichen Stellung und vor allem die staatlich garantierte Sicherung
ihrer materiellen Eigenständigkeit boten ihnen freie
Entwicklungsmöglichkeiten. Die offizielle Frauenpolitik in der DDR beruhte
auf traditionellen Vorstellungen der Arbeiterbewegung von der
Gleichstellung der Geschlechter in der sozialistischen Gesellschaft (vgl.
Bebel, Die Frau und der Sozialismus, 1879).
Bereits vor der Gründung der DDR propagierte die SED bei den
Landtagswahlen in der SBZ 1946 auf
Wahlplakaten die Gleichberechtigung von Mann und Frau. |
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Kontext zur Reihe: In den vergangenen Stunden stand die unterschiedliche Entwicklung der Gesellschaft in der BRD und der DDR im Rahmen der Blockbildung des Kalten Krieges im Mittelpunkt der Betrachtung. Ausgehend von der Analyse der politischen Systeme beider deutscher Staaten (pluralistische Demokratie/sozialistische Einparteiendiktatur) wurden die Lebensbereiche Kindheit und Jugend in West und Ost (Popkultur/sozialistische Jugendkultur) untersucht. In der vorigen Stunde wurde mit der Analyse des Bereichs Familie bzw. Frauenbild begonnen, wobei zunächst das bundesdeutsche Frauenleitbild (Hausfrau und Mutter, fehlende Gleichberechtigung) erarbeitet wurde. Terminplan der Reihe: |
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| 1 | Die Gründung zweier deutscher Staaten (1949) | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 2 | Staatssysteme im Vergleich (Schülervortrag) | Methodenkompetenz | |
| 3 | Wie übte die SED Herrschaft aus? | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 4 | Besuch des AlliertenMuseums in Berlin Dahlem | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 5 | Der Volksaufstand,17.06.1953 | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 6 | Die Berliner Mauer - Warum wurde sie gebaut? | Urteils- und Orientierungskompetenz | |
| 7 | Stalin 70 Jahre alt - sozialistische Kindererziehung | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 8 | The Who – My Generation, westliche Jugendkultur | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 9 | „Begrenzte Träume“? Jugend in der DDR | Urteils- und Orientierungskompetenz | |
| 10 | Frauen in der BRD – gleichberechtigt? | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 11 | Waren die Frauen in der DDR "voll gleichberechtigt? | Deutungs- und Analysekompetenz | |
| 12 | DDR – ein Sozialparadies, keine Diktatur? | Urteils- und Orientierungskompetenz | |
| 13 | Lernerfolgskontrolle (LEK, 35 min.) | Schwerpunkt Anforderungsbereiche II und III | |
Inhaltlich-thematischer Schwerpunkt der US: In der heutigen Unterrichtsstunde liegt der Fokus auf der Analyse und Deutung des Gleichberechtigungsproblems in der DDR. Anhand eines ungewöhnlichen Zeitdokuments soll die sozialistische Ideologie von der „vollen Gleichberechtigung der Frau“ in der DDR hinterfragt werden.
Geplanter Output / Lernzuwachs: Die ideologiekritische Analyse, die die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung in dieser Stunde durchführen, macht den Widerspruch zwischen SED-Propaganda und sozialistischem Alltag deutlich. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass die offiziellen Aussagen einer genauen Überprüfung, auch anhand zeitgenössischer Quellen, nicht standhalten und kritisch beurteilt werden müssen. Dadurch gelingt ihnen auch in zunehmendem Maße eine kriterienorientierte (Gleichberechtigung) und differenzierte (offiziell/informell) Bewertung des politischen Systems der DDR. Begründung der didaktischen Zugangsweise: Als didaktische Zugangsweise bietet sich die Problemorientierung an, da die Schüler ausgehend vom ideologisch-propagandistischen Anspruch („volle Gleichberechtigung“) mit Hilfe der Textquelle eine kritische Analyse durchführen können. Fachkompetenzorientierung und abschlussorientierte Standards des Rahmenplans für die geplante US: Deutungs- und Analysekompetenz: Die Schülerinnen und Schüler reflektieren die Handlungsspielräume historischer Akteure im Hinblick auf offene Möglichkeiten und Zwangslagen in Ansätzen (Rahmenlehrplan, S. 19). Angestrebte, längerfristige Kompetenzentwicklung: Mit Hilfe ideologiekritischer Deutung und Analyse unterschiedlicher Quellen sollen die Schülerinnen und Schüler in zunehmendem Maße zu eigenständigen Urteilsleistungen befähigt werden. Im Themenfeld „Konfrontation der Blöcke und die Deutsche Frage“ setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit ideologisch geprägtem Quellenmaterial auseinander, das erst „entschlüsselt“ werden muss, um anhand von Kategorien und Kriterien bewertet werden zu können. Die „Entschlüsselung“ von Quellenmaterial ist demnach die Voraussetzung für die Kompetenzsteigerung im Bereich Werten und Urteilen (Urteils- und Orientierungskompetenz, AFB III). Konkretisierung der Standards für die geplante US: Die Schülerinnen und Schüler analysieren und deuten die in der Textquelle formulierten gesellschaftlichen Leistungsansprüche, die an die Frauen in der DDR gestellt wurden und vergleichen dieses mit dem in der Bildquelle offiziell propagierten, sozialistischen Postulat der „vollen Gleichstellung der Frau“. Die Schülerinnen und Schüler reflektieren die Handlungsspielräume der Frauen in der DDR unter dem Kriterium der Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung von Frau und Mann. Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden, Überprüfungskriterien für die Einschätzung der Kompetenzentwicklung: Schülerinnen und Schüler des hohen
Kompetenzniveaus erfassen die in der Bildquelle dargestellten Elemente
schnell und können diese präzise benennen. Die Aussagen des Plakates
können sie selbstständig zusammenfassen. Sie beteiligen sich rege am
Unterrichtsgespräch und übernehmen die Ergebnisse der einführenden
Bildanalyse selbstständig und zügig von der Tafel. Schülerinnen und Schüler des mittleren
Kompetenzniveaus erfassen einige in der Bildquelle dargestellte
Elemente und können diese benennen. Die Aussagen des Plakates können sie
zusammenfassen. Am Unterrichtsgespräch beteiligen sie sich aktiv oder nach
Aufforderung. Die Ergebnisse der einführenden Bildanalyse übernehmen sie
selbstständig von der Tafel. Schülerinnen und Schüler des niedrigen
Kompetenzniveaus erfassen nur wenige in der Bildquelle dargestellte
Elemente und können diese auf Nachfrage benennen. Die Aussage des Plakates
können sie mit Einhilfen zusammenfassen. Am Unterrichtsgespräch beteiligen
sie sich kaum und bei Aufforderung nur zögerlich. Die Ergebnisse der
einführenden Bildanalyse übernehmen sie nur nach Aufforderung von der
Tafel in ihre Arbeitsmaterialien. Die Aufgabenstellung zur Bearbeitung der
Textquelle wird von ihnen nur unzureichend erfasst. Die Bearbeitung des
Textes, v. a. die aufgabenbezogene Schwerpunktsetzung (wesentliche
Aussagen im Text markieren), fällt ihnen schwer. Die Markierungen
erstrecken sich meist über zu lange Passagen. In der Partnerarbeit bringen
sie nur wenige eigene Ergebnisse ein und übernehmen hauptsächlich die
fehlenden Aspekte aus den Aufzeichnungen ihres Arbeitspartners. Im
Ergebnisaustausch fällt es ihnen schwer, den Widerspruch zwischen den
Aussagen der Quellen in eigenen Worten zu formulieren und zu erklären. Lehr- / Lernstrukturbegründung, Antizipation möglicher Schwierigkeiten:
Erarbeitung und Sicherung: Die
verwendete Textquelle stammt aus einer Quellensammlung zur DDR-Geschichte
der Bundeszentrale für politische Bildung. Durch ihren Inhalt, die
Entstehungszeit und die Kürze eignet sich der Text besonders für die
Verwendung im Unterricht. Diese Textquelle gibt - unbeabsichtigt - einen
Einblick in den Alltag der Frauen im „real existierenden Sozialismus“
Anfang der 60er-Jahre. Die Sprache ist klar und einfach. Der Fachbegriff
VEB ist den Schülern aus der Stunde vom 04.05. bekannt und muss hier nicht
noch einmal erläutert, sondern nur entlastet werden. Die Arbeitsaufträge 1
und 2 sind den Anforderungsbereichen I und II angeglichen. Das
Textverständnis soll durch das Zusammentragen der Ergebnisse in der
Partnerarbeit überprüft werden. Vertiefungsphase: In dieser Phase,
deren Arbeitsauftrag den Anforderungsbereich III abdeckt, werden die
Schülerinnen und Schüler mit einer praktischen Aufgabe konfrontiert. Die
Gestaltung eines Plakates für eine Museumsaustellung (fiktiv) auf
Grundlage der im Einstieg verwendeten historischen Vorlage haben die
Schülerinnen und Schüler bisher noch nicht durchgeführt. Die Methode ist
in der Museumsarbeit (Werbung) aber durchaus beliebt. Didaktische Reserve: Als didaktische Reserve bei Zeitüberschuss wurde eine Methodenreflexion eingeplant, in der Schülerinnen und Schüler die Arbeitsweise (Vergleich) erläutern und über die Art der verwendeten Quellen (offizielle Parteipropaganda in Form eines Plakates, Alltagsdokument mit Aussagen über gesellschaftliche Realitäten) reflektieren. Literatur und Weblinks: Asch, Bettina u. a.: Forum Geschichte, Handreichungen für den Unterricht mit Kopiervorlagen, Band 4, Berlin 2006, S. 147.* DDR – Mythos und Wirklichkeit: Internetangebot der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., Sankt Augustin, siehe online: www.ddr-mythen.de . Heydemann, Günther: Gesellschaft und Alltag
in der DDR, in: IzpB, Heft 270, Bonn 2001, siehe auch online: Regenhardt, Hans-Otto / Tatsch, Claudia: Forum Geschichte, Band 4: Vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Gegenwart, Berlin 2003, S. 228-231. Unruhige Jahre: Frauen zwischen Beruf und Familie, in: LeMO. * Das abgebildete SED-Plakat wurde in dem verwendeten Schulbuch irrtümlich auf das Jahr 1954 datiert. Dies stellte sich heraus, nachdem mich eine aufmerksame Internetnutzerin auf die abweichende Datierung durch das DHM aufmerksam machte. Nach Rücksprache mit den Kollegen des DHM beruht dieser Fehler im Schulbuch vermutlich auf der irrtümlichen Annahme, dass die Inventarnummer 54/833 das Entstehungsjahr wiedergibt. Dem ist nicht so: Es ist das Jahr der Bestandsaufnahme. Seit 1949/1950 gab es nach Auskunft der Experten nur noch Wahlplakate der Nationalen Front, in der sich alle Parteien, Massenorganisationen, Verbände usw. in der DDR organisieren mussten. Antizipierter Tafelanschrieb: |
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SED-Wahlplakat, 1946* Frau arbeitet in einem Industriebetrieb Aussage 1: Frauen erhalten für die gleiche Leistung/Arbeit den gleichen Lohn wie Männer. Aussage 2: Frauen sind „voll“ gleichberechtigt, d. h. in allen Lebensbereichen den Männern gleichgestellt. SED-Propaganda, muss hinterfragt / geprüft werden Problemfrage: |
SKT-Schnellkochtopf, um 1960 Die Frau soll: - gepflegt und gut angezogen sein, Ergebnis: Die Frauen in der DDR
waren nicht „voll“ gleichberechtigt. Mehrfachbelastung der Frauen |
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Mögliche Textvorschlage: Mehr Leistung, gleicher Lohn. Keine Gleichberechtigung der Frau. Mehr Leistung, gleicher Lohn. Mehrbelastung der Frau. Mehr Leistung, gleicher Lohn. Schönheit, Arbeiterin, Hausfrau und Gastgeberin. Gut aussehen, hart arbeiten, Familie bekochen und Gäste bewirten. Keine Gleichstellung der Frau. Schönheit, Arbeit, Haushalt und eine gute Gastgeberin. Keine Gleichberechtigung im Sozialismus. Gut aussehen, arbeiten wie ein Mann, kochen und bewirten. Mehrbelastung der Frau
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Materialanhang:
Textquelle: Aus der Einleitung einer Gebrauchsanweisung für einen Schnellkochtopf, um 1960 An die Frau von heute werden
hohe Ansprüche gestellt. Sie soll gepflegt und gut angezogen sein, im
Beruf ihren Mann stehen und dennoch eine gute Hausfrau sein. Kein Wunder
also, dass die moderne Frau immer in Eile ist. Das wissen Sie selbst am
besten. Wie oft müssen Sie für Ihre Familie ein schnelles Essen „zaubern“.
Gerade im großen Haushalt fehlt es dann an der Zeit, ein anspruchsvolles
Menü vorzubereiten. aus: Judt, Matthias (Hg.), DDR-Geschichte in Dokumenten, Bonn 1998, S. 209; Redaktion Hager. Arbeitsaufträge: 1. Lies den Quellentext M2 und markiere die Leistungen, die die Frauen erbringen sollten. (5 min.) 2. Vergleiche deine Arbeitsergebnisse mit deinem Sitznachbarn. Stellt die Aussagen des Plakats denen des Textes tabellarisch in Stichpunkten gegenüber. Zu welchem Ergebnis kommt ihr? (10 min.) 3. Für eine Museumsausstellung zum Thema „Frauen in der DDR“ soll ein Werbeplakat mit dem Motiv von 1946 gestaltet werden. Entwickelt auf Grundlage eurer Recherchen und Kenntnisse in Gruppen (Inseln) einen Textvorschlag für das Plakat (10 min.).
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| Glossar Bügelmessschraube – auch Mikrometerschraube oder Mikrometer; Feinmessgerät, mit dessen Hilfe Werkstücke nach dem Prinzip des Einspannens bis auf Tausendstel Millimeter vermessen werden können. Drehmaschine – ugs. Drehbank, Werkzeugmaschine, bei der ein rotierendes Werkstück (z. B. aus Holz oder Metall) durch Spanen mittels eines scharfkantigen Werkzeugs bearbeitet wird. Gleichberechtigung – im engeren Sinne die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau. Diese wurde 1949 im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 3, Abs. 2: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“) und in der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik (Artikel 7, Abs. 1: „Mann und Frau sind gleichberechtigt.“) festgelegt. Im weiteren Sinne bezeichnet Gleichberechtigung die Gleichstellung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen (Beruf, Ausbildung, Familie usw.). Propaganda – gezielte Verbreitung politischer Überzeugung mit dem Ziel der Beeinflussung / Manipulation, meist mit den Mitteln der Übertreibung und/oder Fehlinformation. Schnellkochtopf – auch Druck- oder Dampfkochtopf. Ein Kochtopf, in dem Lebensmittel bei Temperaturen über 100 °C gegart werden können, da durch den druckfest verschlossenen Behälter eine Siedepunktserhöhung erreicht wird. Die Kochzeit verringert sich dadurch erheblich (um 50 – 70 %). SED – Sozialistische Einheitspartei Deutschlands; 1946 aus dem erzwungenen Zusammenschluss von KPD und SPD hervorgegangene politische Partei, die sich in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) unter Einfluss der sowjetischen Besatzungsmacht und nach dem Vorbild der KPdSU zur kommunistischen Kaderpartei und später zur „Staatspartei“ der DDR entwickelte. VEB – Rechtsform der Produktions- und Dienstleistungsbetriebe in der SBZ/DDR, die aus der Enteignung und Verstaatlichung von Privatunternehmen hervorgingen.
Maik Hager (Jahrgang 1977) studierte an
der TU Berlin die Fächer Geschichte und Philosophie (Lehramt) bei
Prof. Dr.
Schulz-Hageleit und
Prof. Dr. Gil. In der wissenschaftlichen Hausarbeit zum Ersten
Staatsexamen hat er sich mit dem
Ackergesetz des Tiberius
Gracchus beschäftigt. Im Rahmen der schriftlichen Prüfungsarbeit für
das Zweite Staatsexamen hat er mit Schülern einer 9. Klasse eine Führung
durch den Ausstellungsteil
Erster Weltkrieg des DHM konzipiert. |
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