Susanne Vogel (Hg.),

Ottonen – Salier – Staufer.
Herrscher des Mittelalters von 919 bis 1268

Staackmann Verlag, München 2007.

Ein Blick in die Auslagen eines Zeitschriftenkiosks genügt: Auch nach fast 90 Jahren ohne regierenden Monarchen haben Könige, Fürstinnen und Grafen in Deutschland nichts an Faszination verloren. Doch nicht nur die populären Staatsoberhäupter aus Großbritannien, Spanien und den nordischen Monarchien stehen hoch in Konjunktur, auch die einstigen Herrscher des "Regnum Theutonicum" können Menschen bis heute faszinieren. Ein Beleg dafür ist eine 88-seitige Broschüre, die unter dem Titel "Ottonen – Salier – Staufer, Herrscher des Mittelalters von 919 bis 1268" jüngst im Münchener Staackmann-Verlag erschienen ist, und von der Münchener Fachärztin für Augenheilkunde Susanne Vogel herausgegeben und verfasst wurde. Sie enthält kurze Portraits der 14 Könige und Kaiser dieser Dynastien, dazu des Welfen Ottos IV., des letzten Staufers Konradin und der Königinnen und Kaiserinnen Adelheid, Theophanu und Kunigunde. Ergänzt werden sie durch zeitgenössische Darstellungen der betreffenden Personen sowie Auszügen aus teils neuzeitlichen, teils mittelalterliche Dichtungen über die Herrscher und ihre Zeit.

Schon die Konzeption der Broschüre lässt freilich erkennen, dass die Autorin einer romantischen Verklärung historischer Persönlichkeiten keineswegs ablehnend gegenübersteht. "Meine Mutter hat uns Kindern nie Märchen erzählt, dafür aber Balladen, die sie alle auswendig konnte", schreibt Vogel in ihrem Vorwort. (S. 7) Darunter sei auch ein Gedicht über Kaiser Otto III. gewesen, das unter anderem den Wunsch des Kaisers schilderte, neben Karl dem Großen in Aachen begraben zu werden. "Es bewegte mich über Wochen und Monate, dass seine Freunde und Weggefährten bereit waren, seinen Leichnam zurück nach Deutschland zu bringen", erinnert sie sich weiter. "Es war eine meiner frühesten Begegnungen mit der Geschichte mittelalterlicher Herrscher." Weswegen die Verfasserin mit ihrem Werk vor allem das Ziel verfolgt, "insbesondere die Jugend an eine wichtige Epoche deutscher Geschichte heranzuführen." (ebd.)

Ärgerlich ist, dass es der Autorin nicht gelingt, dabei die Erkenntnisse der modernen Geschichtswissenschaft in einem mehr als rudimentären Maß zu berücksichtigen. Immer wieder werden die Topoi mittelalterlicher Quellen unkommentiert als Fakten übernommen. "Kunigunde war ihrem Gemahl stets eine liebevolle Partnerin, kluge Beraterin und loyale Mitregentin", heißt es etwa auf S. 37. Der in der Forschung höchst umstrittene Bericht Widukinds von Corvey über die Krönung Ottos I. wird im Lebensbild dieses Herrschers als Tatsachenbericht wiedergegeben (S. 13), obwohl die Autorin wenige Seiten später erkennen lässt, dass ihr durchaus bewusst ist, dass Widukind dabei vermutlich die Krönung Ottos II. vor Augen hatte (S. 21).

Erinnerungen an das 19. Jahrhundert und seine Geschichtsdarstellung werden wach, wenn die Herausgeberin im Portrait Heinrichs V. im Zusammenhang mit der dort geschilderten Enthauptung Sighards von Burghausen bedauert: "Was wirklich geschah, konnte bis heute nicht geklärt werden." (S. 53). Und dass die "wichtige Orte aus der Zeit der Ottonen, Salier und Staufer" darstellende Landkarte auf S. 84 lediglich Orte innerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschlands aufführt, ist angesichts der in den Portraits geschilderten Romzüge und Kaiserkrönungen nur schwer verständlich.

Insofern kann man mit der Herausgeberin eigentlich nur hoffen, dass die Leser der graphisch hervorragend gestalteten Broschüre tatsächlich Interesse an der Geschichte des Mittelalters entwickeln, und dadurch angeregt werden, auch einmal das ein oder andere wissenschaftliche Werk über diese Epoche zu konsultieren. Dann hätte die Broschüre ihren Zweck erfüllt.

Benjamin Lassiwe M.A.

Links

- Leseprobe: Ottonen - Salier - Staufer. Herscher des Mittelaters von 919 - 1268

- Internetseite des Staackmann Verlags

 

Benjamin Lassiwe M.A. hat mittelalterliche Geschichte in Berlin, Odense, und Greifswald studiert. Er ist freier Journalist und berichtet für zahlreich regionale und überregionale Zeitungen.

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