Manfred Grabmeier

Sakkara
Die Zeichen der Pharaonen,

Brettspiel für 2 Baumeister, Kosmos Verlag, Stuttgart 2007.

Im Spiel Sakkara - Die Zeichen der Pharaonen schlüpfen die Spieler in die Rolle von miteinander konkurrierenden Baumeistern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, eine Stufenpyramide zu bauen. Da sie damit die Gunst des Pharaos erringen wollen, muss das Bauvorhaben natürlich so schnell wie möglich fertig gestellt werden. Zur Unterstützung stehen den Baumeistern jeweils zwei Bauarbeiter zur Verfügung. Und schon beginnt der Wettlauf um die benötigten Baumaterialien, Transportmittel (ein Schiff) und Nahrungsmittel für die Versorgung der Arbeiter (Getreide). Zu Beginn des Spiels ist das Angebot an Baumaterialien noch groß und die Beschaffung von Transport- und Nahrungsmitteln relativ leicht, doch das ändert sich schnell. Die unermüdlichen Arbeiter müssen immer längere Wege in Kauf nehmen und oft kommen sie zu spät, denn der Gegner war schon schneller.

Als ausgefuchster Baumeister stehen einem aber auch noch andere Wege zur Beschaffung der benötigten Materialien zur Verfügung. Mit Hilfe von Zaubersprüchen kann man entweder die Arbeitsleistung der eigenen Bauarbeiter steigern oder den Gegner sabotieren und sein Schiff versenken oder dessen Getreidevorrat vernichten. Dabei sollte man jedoch immer die eigene Baustelle im Auge behalten, denn möglicherweise hat der Gegner entsprechende Materialien gehortet und kann die Verluste schnell wieder ausgleichen.

Es gewinnt derjenige Baumeister, der zuerst die dritte Ebene seiner Stufenpyramide (die Spitze?) vollendet hat.

Das Spielmaterial und die Spielregeln dieses schnellen Taktikspiels sind sehr übersichtlich und einfach gehalten. Die knappe Spielanleitung ist verständlich geschrieben und schnell durchgearbeitet, außerdem wird sie durch kleine Merkhilfen am Spielbrettrand ergänzt. Eine Partie dauerte im Test zwischen 30 - 40 Minuten. Sakkara - Die Zeichen der Pharaonen eignet sich durchaus auch als Reisespiel aber taugt es auch für den Einsatz im Geschichtsunterricht?

Wer diese Frage stellt - und sie vielleicht schon in Gedanken negativ beantwortet hat - muss Folgendes bedenken:

Die meisten auf dem kommerziellen Markt befindlichen Brett- und Gesellschaftsspiele mit historischer Rahmenhandlung sind Produkte der Unterhaltungsindustrie. Im Vordergrund steht hier nicht die Vermittlung geschichtswissenschaftlicher Inhalte, sondern der Spielspaß und das Vergnügen. Die Einbettung der Spielregeln in einen historischen Rahmen, hier das alte Ägypten, ist aber nicht immer beliebig und sinnfrei. Man mag sich daran stören, dass mancherorts die historische Genauigkeit etwas leidet, z. B. bei der Kombination von Stufenpyramide (die bekannteste unter ihnen ist sicherlich die Djoser-Pyramide in Sakkara, entstanden um 2650 v. Chr., 3. Dynastie) und Totenmaske und Thron des Tutanchamun (um 1330 v. Chr., 18. Dynastie, bekanntlich bestattet im Tal der Könige) auf der Spielpackung.

Solche Ungenauigkeiten und Fehler können jedoch auch Anlass bzw. Anreiz zu einer genauen Beschäftigung mit z. B. dem Thema ägyptischer Totenkult oder dem Bau der Pyramiden sein. Ausgehend von der Spielsituation könnten die Schülerinnen und Schüler z. B. ergründen wie viele Arbeiter am Bau einer Pyramide beteiligt waren, ob uns die Namen der Baumeister bekannt sind und welche soziale Stellung sie in der altägyptischen Gesellschaft einnahmen und was es mit altägyptischen Zaubersprüchen und Flüchen auf sich hat.

Begriffe wie Hieroglyphe, Pharao und besonders (Stufen-)Pyramide finden sich u. a. auch im Berliner Rahmenlehrplan Grundschule für das Fach Geschichte (siehe Senatsverwaltung f. Bildung), in dem das alte Ägypten aber leider nur als fakultativ gekennzeichnet ist. Dabei gehört das alte Ägypten zu den populärsten Themen auch bei Grundschülern. Die Beschäftigung mit dem Spiel bietet, als Einstieg in das Themenfeld verbunden mit der Frage nach evtl. historischen Ungenauigkeiten (Vorkenntnisse/Interessen der Schüler?) konzipiert, eine gute Motivationsmöglichkeit. Aber auch als Lernerfolgskontrolle könnte es sich als nützlich erweisen. Entsprechendes vertiefendes Lernmaterialien bietet das Spiel natürlich nicht - hier ist immer noch auf die didaktischen Materialien (z. B. Schulbuch, Atlas, Museumsbesuch) zurückzugreifen, in die sich das Spiel meiner Meinung nach jedoch leicht einfügen lässt.

Maik Hager
Mit freundlicher Unterstützung von
Manuela Hager und Nadin Zierau.

Links

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