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Peter Scholl-Latour, Russland im Zangengriff. Ullstein Verlag, Berlin 2007. |
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Der Name Peter Scholl-Latour spricht für jeden
politisch-geschichtlich interessierten Leser für sich. Seit 1988 als
Publizist arbeitend, versteht es der Autor, seine umfangreichen
Kenntnisse, erworben durch seine Tätigkeiten als Journalist,
Auslandskorrespondent, Leiter diverser Fernsehanstalten und vor allem
seine ausgedehnten Reisen, in die Deutung weltpolitischer Brennpunkte
einzubeziehen. Im vorliegenden Buch nimmt Peter Scholl-Latour den Leser mit auf eine Reise durch Anrainerstaaten der implodierten UDSSR, sowie die sich gebildeten GUS-Staaten und durch die Weiten der Ostgebiete, wo sich China und Russland in einem fast menschenleeren Raum begegnen. Seine Reise beginnt im Westen in Weißrussland (Belarus) und der Ukraine. Der Rückblick in die Geschichte dieser Länder geht weit in die Vergangenheit und nur dadurch wird die tiefe Traumatisierung und Zerrissenheit zweier Länder ohne Identität verständlich. Die USA umwerben Belarus und die Ukraine aus verständlichen Gründen, suchen sie doch den Einfluss der NATO so dicht wie möglich an die Grenzen Russlands auszudehnen. Belarus und die Ukraine möchte den starken Arm ihres Verbündeten Russland nicht verlieren, sich zeitgleich aber auch nicht von ihm erdrücken lassen und liebäugeln mit den fragwürdigen Errungenschaften der freien Marktwirtschaft der westlichen Länder. So entsteht ein schwieriger Spagat, der noch nicht beendet ist und Europa direkt betrifft. Im Süden bis weit in den Osten wird Russland „Dank“ der Perestroika/Glasnost-Politik von Gorbatschow und Jelzin von 16 „Autonomen Republiken der Russischen Förderation“ umgrenzt. Es handelt sich zum großen Teil um kleine Staaten, die sich zwar nicht von Russland losgesagt haben, aber sich dem Einfluss Moskaus so weit wie möglich entziehen möchten. Diese Länder sind ein Auffangbecken teils fundamentalistischen Islams, einem Neo-Islamismus gepaart mit Rückbesinnungen auf die alte Orthodoxe Christenlehre und, was für Russland am wichtigsten ist, zum Teil reich an Bodenschätzen. Die Bevölkerung setzt sich aus vielen Mischkulturen zusammen, darunter gerade in den Ostgebieten Mongolen, Tataren und zunehmend aus einem enormen Zustrom von Chinesen. Russland kann es sich nicht leisten, auch nur einem dieser Staaten die Souveränität zu gewähren, da sich ein solcher Akt zu einem Initialimpuls ausweiten und den Beginn eines Flächenbrandes fördern könnte. Jedem sind sicher noch die kriegerischen Auseinandersetzungen in Tschetschenien und Aserbeidschan im Gedächtnis und es steht sehr zu befürchten, dass es zu weiteren Separationsbestrebungen einzelner GUS-Staaten kommen wird. Die Reise des Autors führt weiter durch die Mongolei, heute fast zu 100% buddhistisch, in die Mandschurei Chinas. Dieses unglaubliche Land, dass sich nach der Abkehr von vielen Einflüssen der großen Kulturrevolution Mao Zedongs, dem Abwenden vom Kommunismus Lenins/Stalins und nach eigenen Aussagen bereits hinter der pseudodemokratischen Markwirtschaft Amerikas befindet, hat sich auf eigenen Wegen bereits an die 3. Stelle der großen Weltmächte geschoben. Wo die rasante Entwicklung China hinführen wird, kann niemand voraussagen. Tatsache ist, dass es den Chinesen gelungen ist, ein Volk von 1,3 Milliarden Menschen zum größten Teil in einen deutlich verbesserten Lebensstandart zu führen und bei den Staatsbürgern das unglaubliche Selbstbewusstsein wieder zu erwecken, dass den Chinesen seit 3000 Jahren zu eigen ist. Mit seiner speziellen Mischung aus Kommunismus, doktrinierter Markwirtschaft und einer latenten Rückbesinnung auf konfuzianische Werte bleibt China ein für Europa und Amerika sehr unberechenbares Land - aber eines, mit dem mehr zu rechnen ist, als man heute nur erahnen kann. Der Leser des Buches von Peter Scholl-Latour sollte bereits im Vorfeld eine fundierte Kenntnis aktueller Politik und geschichtlichem Wissens mitbringen. Die unglaubliche Fülle an Informationen, gespickt mit netten Anekdoten des Autors macht das Buch zu einem hoch aktuellen Abenteuerbericht. Wobei die greifbare Nähe eines Fremdwörterlexikons durchaus die Lesefreude unterstützen könnte. Birgitt Thomas
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