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Lars Rosumek, Die Kanzler und die Medien. |
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Als
geschichtswissenschaftliche Untersuchung über das Verhältnis der deutschen
Bundeskanzler zu den Medien steht Rosumeks Abhandlung leider auf sehr
wackligen Füßen. Der Autor stützt sich bei seinen Betrachtungen
hauptsächlich auf Zeitzeugenberichte, z. B. Interviews, die er mit
ehemaligen PR-Beratern der Kanzler geführt hat und die in diesem Band in
Auszügen wiedergegeben sind. Darüber hinaus dienen ihm hauptsächlich
Biographien als "Quellenmaterial". Wirklich Neues über die Medienarbeit
der Kanzler erfährt der Leser - angeblich aus Mangel an Material oder
wegen strenger Geheimhaltung vertraulicher Unterlagen - leider nicht. Die
Zeitzeugenaussagen der interviewten Personen übernimmt der Autor vielfach
unkritisch in seine eigenen Ausführungen und neigt sogar dazu, den
Gesprächspartnern die gewünschten Begriffe quasi in den Mund zu legen:
Amerikanisierung, Boulevardisierung, Medienkanzler, usw. Von den acht angekündigten Porträts enthalt der Band leider nur sechs. Als "Kanzler des Übergangs" werden Erhard und Kiesinger auf insgesamt nur sechs Seiten abgehandelt. Über die Medienarbeit der beiden Kanzler sei "praktisch nichts bekannt" (S. 94) und auch kaum Material greifbar. Rosumek bezieht sich in diesem Zusammenhang ausschließlich auf Sekundärliteratur, v. a. Biografien, der er seine Ausführungen z. B. über die sog. "Brigade Erhard" entnimmt. Das problematische Verhältnis Erhards zu den Medien und die Delegierung der Pressearbeit an seinen Bürochef Karl Hohmann werden nur kurz umrissen und nicht ausführlich diskutiert. Auch wenn sich Rosumek in seiner Studie hauptsächlich mit der Medienarbeit der Kanzler beschäftigt, so wäre es in diesem Zusammenhang angebracht gewesen, einen Vergleich der Popularität des Wirtschaftsministers Erhard als "Vaters der sozialen Marktwirtschaft" mit der Profillosigkeit des Kanzlers Erhard anzustellen und neben der attestierten medialen Unfähigkeit weitere Gründe für das Fehlen einer professionellen PR aufzuzeigen. Als Person ist Kurt Georg Kiesinger der wohl umstrittenste Kanzler der alten Bundesrepublik, dessen Pressearbeit im Amt nach Aussagen Rosumeks aber bisher weitgehend im Dunkeln liegt. Leider nimmt dies der Autor nicht zum Anlass, diese Lücke zu füllen und eine detaillierte Analyse vorzulegen - auch hier wieder angeblich aus Mangel an Quellenmaterial - sondern belässt es bei dieser Feststellung und insgesamt zwei kurzen Absätzen. Wie reagierte Kiesinger auf die Konfrontation mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit? Welche Einflüsse hatten seine Berufserfahrung auf sein Auftreten gegenüber den Vertretern von Presse, Rundfunk und Fernsehen? Hierzu liefert Rosumek leider keinerlei Antworten. In der medienwissenschaftlichen Diskussion, in der eher die Stärken dieser Untersuchung zu sehen sind, wendet sich Rosumek leidenschaftlich gegen die Behauptung, Gerhard Schröder sei der erste "Medienkanzler" gewesen. Dabei bleibt jedoch zunächst im Unklaren, was diese Etikettierung überhaupt bedeuteten soll. Bezugspunkt in diesem Zusammenhang ist die vieldiskutierte Aussage Richard Mengs Schröder sei "der erste Kanzler, der sein Amt den Medien verdankt." Im Gespräch mit Uwe-Karsten Heye, konstatiert dieser dagegen, dass der Begriff "Medienkanzler" lediglich die Eigenschaft beschreibe, sich ohne Schwierigkeiten "souverän in den Medien zu bewegen und sich an die Erfordernisse des jeweiligen Mediums anzupassen." (S. 255). Im Prinzip ist genau diese Feststellung die Meinung des Autors, der aus diesem Grunde bereits Konrad Adenauer als "Medienkanzler" bezeichnet. Nun verdeutlicht Rosumeks Untersuchung jedoch besonders im Fall Adenauer, dass dieser offensichtlich keine Mediensouveränität dieser Art besaß, sondern vielmehr ein Meister der geplanten Inszenierung war und es verstand, die noch junge Medienlandschaft der Bundesrepublik für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Als Fazit der Lektüre kann festgehalten werden, dass bis auf Erhard und Kiesinger sich die Kanzler in ihrer jeweils eigenen Art der ihnen zur Verfügung stehenden Medien bedient haben oder sich den Erfordernissen anpassen konnten, um ihre Politik zu vermitteln. Besonders interessant wird in Zukunft in diesem Zusammenhang der Einfluss des Internet sein, den der Autor im Zusammenhang mit der Medienarbeit Angela Merkels thematisiert. Werden wir im Wahlkampf 2009 eine Neuauflage des inzwischen bekannten Duells zwischen Kanzlerin und Kanzlerkandidat sehen oder eine Amerikanisierung à la YouTube erleben? Maik Hager Links: - Internetseite des Campus Verlags - www.medienkanzler.info - die Internetseite zum Buch |
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