|
Peter Bender, Deutschlands Wiederkehr. Eine ungeteilte Nachkriegsgeschichte 1945 - 1990. Klett-Cotta, Stuttgart 2007. |
|
| Die Deutschen
sind ein schwieriges Volk. Scheinbar sind sie ständig auf der Suche nach
ihrer "nationalen Identität". Haben sie dann einmal etwas gefunden, zu dem
sie sagen können "Das ist deutsch." oder versteigen sie sich sogar zu der
Aussage "Ich bin stolz auf Deutschland.", werden sie von den eigenen
Landsleuten heftig attackiert. Auch Staatsoberhäupter sind vor diesen
Anfeindungen nicht sicher. Die Angst vor Nationalem ist hauptsächlich
durch die Erfahrung des Nationalsozialismus begründet. Einen unbefangenen
Umgang mit nationalen Symbolen, seien es nun die beiden Nationalhymne, die
schwarz-rot-goldene Flagge u. ä. gibt es in Deutschland kaum, weder in Ost
noch in West. Deutschland sollte verschwinden oder zumindest drastisch umgestaltet werden (sog. Morgenthau-Plan), weil es die Welt zweimal an den Rand des Abgrundes geführt hatte. Von deutschem Boden sollte keine Aggression mehr ausgehen. Die Spaltung der Alliierten und deren gegensätzliche Politik führte zunächst jedoch zu einer Schaffung zweier deutscher Staaten. Peter Bender beschreibt in seinem Essay sehr kenntnisreich und anschaulich, wie die beiden deutschen Staaten in die jeweiligen Machtblöcke eingebunden wurden. Seine deutsche Nachkriegsgeschichte ist zugleich eine Geschichte der beiden deutschen Staaten und ihres Verhältnisses zueinander im Rahmen des Kalten Krieges. Bender bemüht sich dabei, beiden Teilen die selbe Aufmerksamkeit zu schenken und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die sie auszeichneten aufzuzeigen. Den roten Faden bilden dabei die Veränderungen der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der BRD und DDR zueinander und gegenüber ihren Bündnispartnern. Dies geschieht jedoch nicht anhand einer ausführlichen Dokumentation unter Zuhilfenahme des vorliegenden Archivmaterials, das der Autor sicherlich kennt, sondern vielmehr in Form einer zusammenfassenden Darstellung unter Berücksichtigung einschlägiger Forschungsliteratur und zeitgenössischer Literatur (z. B. politischer Reden und Denkschriften). Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei meiner Meinung nach Kapitel VI. Wie die Deutschen sich miteinander vereinigten und die darin enthaltene Würdigung des Beitrittsprozesses. Der Zusammenbruch des SED-Regimes beendete gleichzeitig die Handlungsfähigkeit der DDR als Staat. Die Bundesrepublik durfte sich daraufhin quasi als Siegermacht fühlen, was nicht zu einer gleichberechtigten Vereinigung der beiden deutschen Staaten, sondern zu einem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland führte (siehe Kapitel I, Artikel I des Vertrages über die Herstellung der Einheit Deutschlands - Einigungsvertrag - vom 3. Oktober 1990). "Es handelt sich um einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik, nicht um die umgekehrte Veranstaltung." Diese Worte des damaligen bundesdeutschen Verhandlungsführers und heutigen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble müssen den Menschen, die seinerzeit in Leipzig und anderen ostdeutschen Städten auf die Straße gingen und für ihre Rechte demonstrierten wie eine schallende Ohrfeige vorgekommen sein. Das Fehlen jeglichen Feingefühls auf Seiten der bundesdeutschen Politik im Zusammenhang mit der Vereinigung macht es auch heute noch großen Teilen der Bevölkerung schwer, sich mit Deutschland als politischer und kultureller Einheit zu identifizieren bzw. sich vom alten Ost-West-Denken zu trennen. Es bleibt zu hoffen das dieses Problem durch die Stärkung einer europäischen Identität gelöst werden kann. Benders Essay ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Problematik des deutsch-deutsch Identitätsdilemmas und zur Problematik der Bestimmung nationaler Identität überhaupt. Maik Hager
|
|
www.geschichte-erforschen.de - © 2007 -
Impressum -
![]()