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Rezension: Alessandro Barbero,
Karl der Große. Vater Europas, Na wo gibt es den so etwas? Ein Professor der Mittelalterlichen Geschichte, der auch historische Romane schreibt - unerhört - gut. Das lässt darauf hoffen, dass sich diese Kreativität zumindest in stilistischer Hinsicht auch auf die historischen Fachbücher überträgt. Doch so ungewöhnlich ist die Kombination aus Wissenschaft und Literatur nicht mehr (siehe z. B. Autorenkreis Historischer Roman - Quo vadis.). Die historische Wissenschaft muss kreativ sein, um nicht uninteressant zu werden. Geschichte kann auch wenn sie fiktive Elemente enthält, so wie es beim Historischen Roman oder der Geschichtserzählung à la Herbert Mühlstädt, Hans Ebeling und Co. der Fall ist, lehrreich sein. Doch zurück zu Alessandro Barbero und seinem Karolus Magnus. Vater Europas - das ist keine schamlose Übertreibung der Moderne, sondern überschwängliches Lob der Zeitgenossen: "Rex, pater Europe, et summus Leo pastor in orbe - Congressi, inque vicem vario sermone fruuntur." [1]
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König und
Vater Europas wird Karl der Große vom unbekannten Autor des sog.
Paderborner Epos genannt und auch seine engsten Vertrauten loben ihn in
den höchsten Tönen als neuen König David oder neuen König Salomon. Das ist
auch das Bildprogramm der
Reichskrone, die Karl, anders als es uns Dürer glauben machen will,
nie getragen hat. Sie entstammt der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts. Mit seinem Werk legt der Autor keine Biographie im strengen Sinne des Genres vor, sondern präsentiert einen durchaus lesbaren Querschnitt des Zeitalters Karls des Großen.
In überaus genauer Kenntnis
der Textquellen, die hier und da eingestreut werden, aber auch
archäologischer Funde führt Barbero den Leser durch die Geschichte der
Franken von der Eroberung Galliens bis zur Hochzeit unter Karl dem Großen. Hat man jedoch all diese Schlachten mitgeschlagen und sich mit Strategien und Taktiken beschäftigt, so erfährt man auch viel Interessantes über die Verwaltung und Regierung des Frankenreiches, über die Unterschiede in der Rechtsprechung der einzelnen Völkerschaften, über wirtschaftlich und soziale Zusammenhänge sowie über den Einfluss von christlichem Glauben und Kultur. |
"Waffenmächtig, mild im Sieg, ein König im Triumph, steht Karl in seiner Güte über allen Königen der Erde." [2] |
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Insgesamt stellt das Buch eine
gute und umfassende Einführung in das Thema dar und verweißt mit seinen
ausführlichen Literaturhinweisen sachkundig auf Einzelprobleme der Epoche. Der gute Gesamteindruck des Werks wird jedoch durch seine Textlastigkeit geschmälert. Vieles von dem, was der Autor sachkundig und detailreich beschreibt, hätte durch die ein oder andere grafische Rekonstruktion ergänzend veranschaulicht werden können. Der Erkenntniszugewinn hätte dadurch z. B. bei der Beschreibung der Ausgrabung von Villiers-le-Sec (Departement Val-d'Oise in der Region Île-de-France) erheblich gesteigert werden können, doch immerhin hilft hier das Literaturverzeichnis bei der weiteren Recherche. Auch die beigefügten Stammtafeln und die eher mäßige Vorsatzkarte, auf der leider manche im Text erwähnten Orte nicht oder in anderer Schreibweise erwähnt werden, können hier nicht trösten. Fazit: Trotz dieser sozusagen handwerklicher Mängel bleibt das Buch durchaus lesenswert. Maik Hager
[1] Karolus Magnus et Leo Papa. Ein Paderborner Epos vom Jahr 799, übers. v. Brunhölzl, Franz, Sonderdruck, Paderborn 1966, S. 92, Vers 504 f. [2] ebda., S. 61, dt. Übersetzung , Vers 27 f. Links: - Internetseite des C. H. Beck Verlags, Fachbereich Geschichte und Politik |
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